Landgericht Bonn

Seit Anfang 2010 bietet das Landgericht in Bonn die Möglichkeit, die mündliche Verhandlung in Zivilsachen in englischer Sprache durchzuführen. Das Gericht kommt damit einem vielfach geäußerten Wunsch der Anwaltschaft nach. Nationale wie internationale Mandanten wünschen sich eine englischsprachige Verhandlung, möchten dabei jedoch nicht den anerkannt hohen Standard der deutschen Justiz missen. Bei überschaubaren Prozesskosten wird eine zügige Verfahrensdauer gewährleistet. Dieses Angebot stellt somit eine bedeutende Alternative zu der privaten Schiedsgerichtsbarkeit/Arbitration dar.
Gleichzeitig erfüllt das Gericht damit bereits jetzt eine Aufgabe, wie sie zukünftig von den Kammern für internationale Handelssachen –  vgl. Gesetzentwurf des Bundesrates vom Juni 2010 (Bundestagsdrucksache 17/2163) – wahrgenommen werden soll.

Vorteile:

  • Parteien, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, jedoch oftmals Englisch sprechen oder wenigstens verstehen, können dem Lauf der mündlichen Verhandlung nunmehr folgen und ggf. ihren Standpunkt erläutern.
  • Nachfragen des Gerichts können – ohne die Hilfe von Dolmetschern – unmittelbar beantwortet werden.
  • Englischsprachige Anlagen zu den Schriftsätzen müssen nicht mehr mit erheblichem Aufwand ins Deutsche übersetzt werden. Die Klageschrift und weitere Schriftsätze sowie das Urteil und die Protokolle werden bis jetzt jedoch auf Deutsch gefertigt.


Für eine Verhandlung auf Englisch gibt es nur drei Voraussetzungen:

  • Der Rechtsstreit muss einen internationalen Bezug aufweisen.
  • Die Parteien erklären bei Beginn des Rechtsstreits, die mündliche Verhandlung in englischer Sprache führen zu wollen.
  • Die Parteien verzichten auf einen Dolmetscher.


Das Landgericht hat für diese Verhandlungen in englischer Sprache eine eigene Zivilkammer, die 19. Zivilkammer, eingerichtet. Die dort tätigen Richter haben im englischsprachigen Ausland Rechtswissenschaften studiert (teilweise mit Abschluss LL.M. bzw. MJur) und nehmen laufend am fachlichen Austausch mit anderen englischsprachigen Richtern teil. Sie sind hervorragend in der Lage, internationale Rechtsstreitigkeiten auf Englisch zu verhandeln.

Die erste Verhandlung der 19. Zivilkammer im Mai 2010 hat ein breites Medienecho gefunden. Das Landgericht in Bonn unterstreicht mit der 19. Zivilkammer die Stellung der deutschen Justiz in einem auch sprachlich zusammenrückenden Europa.